L'Alpe

L’Alpe 14 : zufluchtsort

Übersetzung : Brigitte Hanemann

L’Alpe wurde für eine Leserschaft konzipiert, die an Fachwissen interessiert ist und nach dem Sinn der Dinge fragt. Sie ist die erste Zeitschrift, die sich ausschließlich der europäischen Alpinkultur und dem alpinen Kulturerbe widmet. Ihr Bestreben ist es, zu informieren und einen Gedankenaustausch über die nationalen und die sprachlichen Grenzen hinweg zu fördern. Als Forum für Entdeckungen und für Emotionen interessiert sich L’Alpe für all die, denen es zwischen Donau und Rhône gelang, sich an eine einzigartige Umwelt anzupassen. Zwischen Buch und Zeitschrift angesiedelt ist sie wie ein Buch charakterisiert durch tiefgründige Abhandlungen über ein Schwerpunktthema, analytische Klarheit, ein hohes Qualitätsniveau und sie hat sich einen Namen gemacht durch Autoren von Rang. Als Zeitschrift zeichnet sie sich aus durch eine vierteljährliche Erscheinungsform, die gewährleistet, Diskussionen zu führen, besticht durch eine reichhaltige Bildauswahl, ist charakterisiert durch die unersättliche Neugierde des Journalismus und eine notwendigerweise didaktische Herangehensweise. Obgleich l’Alpe auf einem bestimmten Wissensniveau aufbaut, handelt es sich dennoch um keine wissenschaftliche Zeitschrift. Sie verwendet die Beiträge der Geschichte, der Geographie, der Archäologie, der Ethnologie etc., um so den Spuren, die die Menschen in dieser Gegend hinterlassen haben, einen Sinn zuzuweisen. Gleichzeitig steht sie auch Diskussionen über die Zukunft der Alpen und der Berge der Welt offen gegenüber.

Der freie Bergmensch
Élisée Reclus (1830-1905) war sicher genauso bedeutend für die Geographie wie Michelet für die Geschichtsschreibung in jenem Jahrhundert, in dem die Naturwissenschaften mit Poesie betrieben wurden und sich mit politischen Überlegungen und mit Humanismus mischten. Reclus ist ein großer Reisender, Autor von zahlreichen Berichten und Werken wie die berühmte „Nouvelle géographie universelle, la Terre et les hommes  » in 19 Bänden, aber er ist auch Sympathisant der anarchistischen Bewegung. Aufgrund seiner Beteiligung an der Commune de Paris führt dies zu seiner Deportation und anschließend zum Exil. Mehrere Reisen in die Alpen inspirieren ihn zu „Histoire d’une montagne  », ein Werk für die breite Öffentlichkeit, welches Überlegungen über die Natur, die Freiheit und den Fortschritt beinhaltet. Einige Auszüge.

Ein kleiner Vorgeschmack auf das Paradies
Auf der Flucht vor dem Chaos des in Dekadenz ausschweifenden Römischen Reichs schuf sich der Präfekt Dardanus einen Rückzugsort im Herzen des französischen Departements Hautes-Alpes. Geschützt durch einen abschreckenden Engpass ist seine legendäre Theopolis ein Vorläufer anderer Ansiedlungen abseits des Weltgeschehens. Orte der Zurückgezogenheit und des Friedens, die die Besiedlung zahlreicher Bergregionen ermöglichten.

Geheime Verteidigung
Als Versteck oder Falle, ideal für die Verteidigung oder zur Flucht, bieten die Berge den Armeen einmal geschlossenen Schutz, ein andermal offenen Schutz. Eine Doppelrolle, mit der die Armeen konfrontiert wurden in dieser Region der Grenzen und der Übergänge, die immer Bühne für kämpferische Auseinandersetzungen war.

Alleine in den Bergen
Dem Himmel nahe zog er sich in die „Wüste  » zurück. Auf einem Berg, der das Tal der Drôme beherrscht, baute der Eremit Benoît mit eigenen Händen eine Hütte aus Holzbrettern mit 4 Quadratmetern Fläche und lebte von zweihundert Francs pro Jahr. Portrait eines Gottesanbeters.

Der Traum der Kartäuserklöster
Weit entfernt von den Ereignissen in der Welt vereinte die Kartengalerie der Grande Chartreuse eine außergewöhnliche Sammlung von Monumenalgemälden, welche die meisten Kartäuserklöster der Chartreuse wiedergeben. Sie wurden zwischen dem XVII. und dem XIX. Jahrhundert geschaffen und sind heute fast gänzlich unbekannt. Diese Werke, deren Interpretation noch Schwierigkeiten birgt, wurden gerade erst in das Inventar der historischen Monumente aufgenommen.

Die Alpen als Zufluchtsort
Ohne Herrschaft (und Gott?) beflügelten die Alpen die Fantasie der Menschen angesichts der Angst vor Veränderungen. Seither boten sie Raum für Forscher, Abenteuer, zum Verstecken, für Flucht, für Isolation, aber auch für den Austausch, für Zusammentreffen und als Schutz, wo die Ausgeschlossenen und die Andersartigen sich abseits der Welt aufhalten konnten.

Die Saga der Waadtländer
Die Abtrünnigen des Waadtlandes, an welche die Erinnerung noch heute lebendig ist in einigen Tälern des Piemont, fanden in den Alpen ihr bevorzugtes Gebiet. Die Geschichte dieser religiösen Protestbewegung, die dem Protestantismus nahestand, ist gekennzeichnet durch blutige Episoden und Massenfluchten. Dennoch bleibt sie von einer mysteriösen Aura umgeben. Angefangen mit den Gründen dafür, dass sie sich in den Schutz der Berge zurückzog.

Die Rebellen des Piemont
Eine Idealgesellschaft, bestehend aus freien und gleichen Menschen, vereint in der evangelischen Bruderschaft. So predigte Dolcino aus Protest gegen die Allmacht des Klerus im XIII. Jahrhundert. Eine Botschaft, die den Wünschen der alpinen Bevölkerung entgegen kam. Die Bergbewohner des Piemont, die gegen die Feudalmacht aufbegehrten, gewährten ihm Unterschlupf und Unterstützung.

Dieser Held mit dem so sanften Blick
In Tirol nimmt Andreas Hofer die Stelle des Nationalhelden ein. In der Gebirgsgruppe, die Innsbruck beherrscht, verteidigte er mit der Unterstützung seiner Landsleute wacker seine Freiheit gegen die napoleonischen Truppen und wusste sich dabei geschickt die Vorteile des Geländes und den glühenden Patriotismus seiner Bergbewohner zunutze zu machen. Ein Symbol des Widerstands und der Unabhängigkeit Tirols.

Die lange Treibjagd
Die Gebrüder Berthalon flohen im September 1914 als Unbesiegte nach den Kriterien der Armee, aber als Deserteure im Namen der Bibel, in die Berge der französischen Hautes-Alpes, um der großen Schlacht zu entkommen, die sich ankündigte. Eine Flucht, die erleichtert wurde aufgrund ihrer beachtlichen Kenntnis des alpinen Milieus, in dem sie Zuflucht suchten, und durch die Hilfe der Bewohner. Theophile und Félix werden 1927 verhaftet nach 13 Jahren Leben in ständiger Unsicherheit und unter extremsten Entbehrungen.

Das Partisanenlager
Im Widerstand gegen die Nazis machte sich die Jugend 1943 die schützende Geographie der Berge der Dauphine zunutze, um sich zu verstecken, die Zwangsarbeit in Deutschland zu vermeiden und sich gegen den Besatzer zu bewaffnen. Vercors, Oisans, Belledonne und Chartreuse wurden so zur Wiege und zum Grab des Widerstandes. Der Historiker Marc Ferro, der Politologe Simon Nora und der Fotograf Marc Riboud waren damals mit von der Partie. Sie berichten.

Der rebellische Djbel
Auf marokkanischem Staatsgebiet war der Berberstamm der Aït Atta im Djbel Sarhro der letzte, der den französischen Truppen Widerstand bot, welche das Protektorat „befriedeten  ». Heute treiben diese wehrhaften Hirten ihre Herden in den kargen ockerfarbenen Bergen umher, um dem unwirtlichen Winter im Hohen Atlas zu entfliehen. Aber der Schnee holt sie manchmal unter den Palmen und Mandelbäumen in unmittelbarer Nähe der Dünen der Sahara ein.

Ein Nomade von hier
Antonio Placer fordert seine „Alpinität  » ein : „Mein Lied ist ein Gericht aus der Dauphiné mit vielen Kräutern  ». Der galizische Künstler wartete auf die Geburt seiner Tochter (und die zufällige Entdeckung des Rigaudon), um sich definitiv davon zu überzeugen, dass die Alpen sein Zufluchtsort sind.

Die Sucht nach den Hütten
Wie eine Insel der Wärme verankert in einem Meer aus Stein und Eis, so ist die Hütte im Hochgebirge ist ein Hort des Friedens, welcher den Dämonen der Nacht trotzt. Dieser zeitlose Schutzraum bietet ein vertrauenerweckendes Etappenziel auf dem Weg zum Gipfel und fasziniert die Bergsteiger. Aber wie lange noch ?

360°- Blick auf die Alpen
Mit einem Blick eine Vielzahl an unbestiegenen Spitzen erfassen und ihre Geheimnisse in einem Augenblick durchdringen : Diesen Traum erfüllen die faltbaren Panoramaansichten im XIX. Jahrhundert, als die Alpen in Mode kommen. Zwischen romantischer Inszenierung und enzyklopädischer Präzision, zwischen Gegenstand zur Wissenserweiterung und touristischem Marketinginstrument spielten diese Panoramen eine wichtige Rolle bei der Entdeckung der Berge. Dies zeigt eine Ausstellung des Alpinen Museums in Innsbruck.

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