L'Alpe

L’Alpe 47 : 1860-2010, Chronik einer Affinität

Übersetzung   : Christiane Krieger

L’Alpe ist die erste Zeitschrift, die sich ausschließlich dem alpinen Kulturerbe Europas widmet, und wendet sich an eine Leserschaft, die ihren Wissenshorizont erweitern und hinterfragen möchte. Ihr Ziel   : über Sprachbarrieren hinweg informieren. Als Forum für Entdeckungen und Begegnungen richtet L’Alpedas Augenmerk auf die Menschen, die sich zwischen Donau und Rhône einem einzigartigen Lebensraum angepasst haben. L’Alpe weist sowohl Merkmale eines Buches als auch eines Magazins auf   : Auf der einen Seite enthält L’Alpe Beiträge renommierter Autoren zu einem thematischen Schwerpunkt, die sich durch analytische Klarheit und ein hohes Niveau auszeichnen. Auf der anderen Seite erscheint L’Alpe in vierteljährlichen Abständen und bietet so hinreichend Raum für Diskussionen. Auch die vielseitige Illustration, die journalistische Neugier und der didaktische Ansatz sind Kennzeichen eines anspruchsvollen Magazins. Obwohl L’Alpe sich auf ein solides Faktenwissen stützt, erhebt die Zeitschrift keinen wissenschaftlichen Anspruch   ; Geschichte, Geographie, Archäologie und Ethnologie dienen als Rahmen, um Spuren und Zeugnisse, welche die Menschen im Alpenraum hinterlassen haben, richtig einordnen zu können. Doch L’Alpe wendet den Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern ist auch offen für Diskussionen über die Zukunft der Alpen und der Gebirgsregionen in aller Welt.

Die Qual der (Wort-)Wahl

Wiedervereinigung ? Annexion ? Abtretung ? Anschluss ? Volksabstimmung ? Volksentscheid ? Der juristische Terminus technicus steht seit 1860 im Zeichen des Wandels und ist dabei niemals neutral, denn er wird von der vorherrschenden Politik und Ideologie bestimmt. Die so bemühten und nicht selten überstrapazierten Bezeichnungen sind – mit all ihren Konnotationen – im historischen Kontext zu sehen. Dem einer beginnenden Demokratie.

Die Saga der Länder des Savoyen

Lässt sich die Geschichte des Savoyen anhand der Geographie neu definieren ? Dies jedenfalls ist die Absicht jener neuartigen Saga, die anhand von Karten und Raumgliederung tausend Jahre Wanderschäferschaft in einem Gebiet mit sehr variabler Raumstruktur nachvollzieht. Ein Blickwinkel, der zudem den zweifelhaften Begriff Savoyen unter die Lupe nimmt und die Frage nach einer echten savoyischen Eigenart aufwirft.

Am Knotenpunkt der Nationalitäten

War der Anschluss des Savoyen an Frankreich eine logische Folge ? Kein Zweifel, analysiert man die historischen und geopolitischen Triebfedern eines Ereignisses, das in den tiefgreifenden Veränderungen des 19. Jahrhunderts wurzelt. Als überall in Europa ein nationales Bewusstsein aufkeimt, sind öffentliche Meinung und politische Tat eins. Eine Geschichte, die in der französischen Revolution ihren Anfang hat.

Die Schweizer Versuchung

Das Savoyen, ein Schweizer Kanton ? Diese Möglichkeit wurde tatsächlich in Betracht gezogen und war sogar Gegenstand einer Petition. Der Gedanke war für die Bevölkerungsgruppen in der Nähe von Genf verlockend, und doch lehnte die junge Konföderation eine solche Lösung ab, da sie Frankreich gegenüber wenig diplomatisch gewesen wäre.

Zur selben Zeit in Italien…

Die italienische Nation entsteht 1861. Gerade mal ein Jahr nach dem Anschluss des Savoyen und Nizzas an Frankreich, welcher für die Einigung der Halbinsel unter dem Banner des Königs von Sardinien-Piemont eine entscheidende Rolle spielte. Ein Glanzstück geopolitischen und diplomatischen Geschicks seitens Cavour und Napoleon III.

Die Grafschaft Nizza

Hart umkämpfte Grenzen

Bis 1989 (!) war die Region um Nizza ein gutes Beispiel für Veränderungen der Grenze zwischen Frankreich und Italien. Seit 1860 war diese Gegenstand erbitterter Verhandlungen, der Verlauf der Grenze in den südlichen Alpen wurde erst dann endgültig festgelegt, als die innergemeinschaftlichen Barrieren innerhalb Europas zum Teil aufgehoben wurden.

Joseph Dessaix

Der ungestüme und streitbare Journalist aus dem Savoyen ist nicht nur ein glühender Anhänger der Moderne sowie von Naturwissenschaft und Technik, ein Demokrat und Verfechter der Freiheit, sondern auch ein wortgewaltiger Autor – zum Beispiel des beachtlichen Werkes Nice et Savoie (Nizza und Savoyen).

Nizza und Savoyen

Mit dem Blick des Zeitgenossen

Der Fotograph François Deladerrière, der an der Ecole Nationale Supérieure de la Photographie d’Arles studierte, überarbeitet mit äußerster Liebe zum geringsten Detail die Illustrationen eines 1864 erschienenen Werkes. Was ist heute von diesen «  malerischen Orten  » geblieben ?

Praktisch

Veranstaltungen anläßlich des 150. Jahrestages 2010.

Sardisches Kataster für eine französische Grenze

Die zu Beginn des 18. Jahrhunderts von der sardischen Regierung erstellte Karte zeugt von den Beziehungen zwischen Frankreich und dem Savoyen. Als Bezugspunkt und Friedenspfand hat sie die politischen Umwälzungen überdauert und war Ausgangspunkt für die Neufestlegung der Grenzen im Jahre 1860.

Eine königliche Enklave inmitten der Republik

Die Abtei Hautecombe war die letzte Domäne der savoyischen Dynastie in Savoyen. Die fürstliche Nekropole an den Ufern des Lac du Bourget hatte einen Sonderstatus, der in einem internationalen Abkommen anerkannt wurde ! Ein Stück geistlicher Miniatur-Lehnsherrschaft, die bis 1983 überdauerte, dem Todesjahr des letzten Königs von Italien.

Eine neue Welt

Im 19. Jahrhundert befindet sich das Savoyen – so wie andere Regionen im Zeitalter der industriellen Revolution auch – mitten im Umschwung. Doch die Veränderungen haben hier ihre besondere Prägung : aufgrund der Grenzen und des beginnenden internationalen Tourismus wird die Region zu einem Schmelztiegel, die ländlichen Gemeinschaftsstrukturen sehen ihrem unausweichlichen Niedergang entgegen usw. Es entsteht eine neue Welt, und niemand vermag es, die Tragweite dieser Veränderung zu ermessen.

Die europäische Dimension

Die Stadt Chambéry, Verwaltungssitz des Savoyen, feiert 2010 nicht nur ihre Vergangenheit, sie bereitet sich gleichzeitig für eine Zukunft vor, die sie im Lichte größtmöglicher Offenheit gegenüber Europa sieht. 2011 wird sich die Stadt der Region des Piemont annähern, um in einem Gemeinschaftsakt der Proklamation der italienischen Einigung 150 Jahre zuvor zu gedenken. Bis dahin hofft man auf konkrete Pläne für eine TGV-Trasse zwischen Lyon und Turin, welche dem wirtschaftlichen Standort Chambéry deutlich den Rücken stärken dürfte.

Savoyarde sein heute

Welchen Sinn soll man heute, da Europa die meisten seiner Grenzen abgeschafft hat, dem Jahrestag der Angliederung des Savoyen an Frankreich verleihen ? Das fragen sich heute Einwohner, Politiker und Akteure des wirtschaftlichen und kulturellen Geschehens gleichermaßen. Zumal das Savoyen im Zuge der bevorstehenden verwaltungstechnischen Neuorganisation des französischen Staatsgebietes zum Versuchsgelände werden könnte.

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